Zum Glück hat Spanien gewonnen

30. Juni 2008 · abgelegt in EM 2008 

CampeónDas muss man (leider) so formulieren. Natürlich drückt man bei so einem Finale Deutschland die Daumen, aber angesichts der Leistungen beider Teams gibt man gerne zu, dass die eindeutig bessere Mannschaft diese EM gewonnen hat. Es war nebenbei auch ein Erfolg für den Fußball, denn - darüber werden sich die Kritiker weltweit einig sein - die spanische Mannschaft hat einen erfrischenden und spannenden Fußball gespielt, der definitiv Maßstäbe gesetzt hat.

Wenn man das Spielgeschehen Revue passieren lässt, dann wird deutlich, dass die Spanier der deutschen Elf in fast allen Belangen überlegen waren und deshalb auch verdient gewonnen haben. Das soll aber nicht heißen, dass das Team um Ballack (dem leider nicht so viel gelang) so unattraktiv gespielt hat, wie das gegen die Türkei oder Österreich der Fall war. In den ersten zehn Minuten sowie Mitte der zweiten Halbzeit wäre ein Tor der Deutschen durchaus logische Konsequenz gewesen. Aber die Bemühungen waren vergeblich und so blieb es beim 0:1. Gut gekämpft, aber mehr nicht.

Was ansonsten imponierte waren die Ballsicherheit und  die zahlreichen Kombinationen der Iberer. Denn eigentlich machten sie, was sie wollten. Und ein Satz, der sonst für die deutsche Nationalmannschaft reserviert ist, passte am heutigen Abend viel mehr zu den Spaniern: “Der Star ist die Mannschaft”. Dieses mit  brillianten Individualisten gespickte Team wurde geformt zu einem vorbildlichen Kollektiv. Jeder weiß seinen Part zu spielen, um so den Gesamterfolg zu sichern. So muss Fußball eigentlich sein! In seiner Grundausrichtung simpel, aber unglaublich faszinierend und erfolgreich.

Eins noch zum verhängnisvollen Tor durch Fernando Torres: Klar, Philipp Lahm hätte den Ball ins Aus schlagen und Lehmann vielleicht einen Tick eher aus seinem Kasten sprinten können. Aber wie Torres sich trotzdem diesen Ball erkämpft mit nur einem Ziel vor Augen, das ist schon klasse. Seine Qualität wurde ebenso deutlich beim Kopfball, den er an den Pfosten hämmerte oder als er an der Seitenlinie einen deutschen Verteidiger elegant “tunnelte”, nur um dann unfair gestoppt zu werden. Aber Torres hervorzuheben wäre unfair, denn eigentlich müsste man eine Ode an jeden einzelnen spanischen Spieler schreiben.

Abschließend bleibt zu sagen, dass es für jeden Fußballfan ein Genuss war, was man an hoher Kunst am Sonntagabend begutachten durfte. Da braucht man gar nicht so traurig sein, dass es für Deutschland (noch) nicht gereicht hat.

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